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Radfahrer aufgepasst:

5 Juni 2014
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Erleiden Sie bei einem Unfall Kopfverletzungen und haben keinen Helm getragen, kann Ihnen ein Mitverschulden zur Last gelegt werden.

Verkehrsunfall mit Beteiligung eines Radfahrers

Foto: Konstanze Gruber – Fotolia

Als Radfahrer sind Sie bisher nicht verpflichtet, einen Helm zu tragen. Dies taten laut Statistik im Jahr 2011 auch lediglich 11% der Radfahrer und im Jahr 2012 13%.

Die bisher überwiegende Rechtsprechung hat dementsprechend auch, wenn es zu einem Verkehrsunfall mit Beteiligung eines Radfahrers kam, wobei dieser Radfahrer Kopfverletzungen erlitt, eine Mithaftung des Radfahrers für die erlittenen Kopfverletzungen abgelehnt (so beispielsweise: OLG Hamm, NZV 2001, S. 86; OLG Stuttgart, VRS 1997, S. 15; OLG Nürnberg, DAR 1991, S. 173; OLG Karlsruhe, NZV 1991, S. 25; OLG Saarbrücken, NZV 2008, S. 202 f.)

Nach dieser Rechtsprechung gebieten Eigenschutzgesichtspunkte dem Radfahrer nur dann ein Schutzhelm zu tragen, wenn er sich entweder als sportlich ambitionierter Fahrer besonderen Risiken aussetzt, oder aufgrund in seiner Persönlichkeit liegenden Besonderheiten, wie beispielsweise Unerfahrenheit hinsichtlich der im Straßenverkehr bestehenden Gefahren oder des Umgangs mit dem Rad für ihn ein gesteigertes Gefährdungspotential gegeben ist.

Das OLG Schleswig hat jedoch in seiner Entscheidung (Urteil vom 05.06.2013, Az.: 7 U 11/12) ausgeführt, dass ein Radfahrer, welcher bei einem Unfall im Straßenverkehr stürzt und hierbei Kopfverletzungen erleidet, sich grundsätzlich ein Mitverschulden anrechnen lassen muss, wenn er keinen Fahrradhelm getragen hat und feststeht, dass die Kopfverletzungen durch einen Fahrradhelm verhindert oder gemindert worden wären. Das Gericht begründet seine Entscheidung damit, dass sich in den letzten Jahren das „allgemeine Verkehrsbewusstsein„ im Hinblick auf das Tragen eines Schutzhelms beim Radfahren stark gewandelt habe, das heißt eine zunehmende Akzeptanz im Hinblick auf das Tragen eines Schutzhelms im öffentlichen Straßenverkehr sich entwickelt habe.

Das Verletzungsrisiko eines Fahrradfahrers, der im öffentlichen Straßenverkehr teilnehme, sei insbesondere aufgrund der zunehmenden Verkehrsdichte sehr hoch. Im Verhältnis dazu seien die Anschaffungskosten für einen Helm gering.

Fahrradfahren mit Helm

Foto: Picture-Factory – Fotolia

Weiterhin begründet das Gericht seine Entscheidung damit, dass im Bereich anderer sportlicher Betätigungen, wie dem Skifahren oder dem Reiten, obwohl hier ebenfalls keine gesetzlich normierte Helmtragungspflicht existiert, seitens der Rechtsprechung eine Obliegenheit zum Tragen von Helmen bejaht wird und bei Nichttragung eines Helms im Rahmen der hierdurch bedingten Kopfverletzungen ein Mitverschulden angenommen wird.

Es ist anzunehmen, dass in Zukunft weitere Obergerichte ein Mitverschulden an unfallbedingt erlittenen Kopfverletzungen bei Nichttragung eines Helms annehmen werden. Gerade auch im Hinblick auf die durch Kopfverletzungen oft hervorgerufenen irreversiblen Schäden sollten wir als Radfahrer unseren „inneren Schweinehund„ überwinden und einen Helm aufsetzen.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Nachtrag Entwarnung für Helmmuffel vom 18.06.2014!



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