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Ein Vater, der seine Kinder von einem Tag auf den anderen im Stich ließ

1 Februar 2015
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Kinderzeichnung "Ich wünsche mir..."

motorradcbr – Fotolia.com

Vor einiger Zeit kam eine Frau zu mir und erzählte, dass ihr Mann plötzlich und ohne vorherige Ankündigung ausgezogen sei und Sie mit den Kindern zurückgelassen habe. Sie wisse nicht einmal, wo er sich aufhalte.

Die Eheleute hatten zwei gemeinsame Kinder, einen 8 und einen 2 Jahre alten Jungen. Es stellte sich heraus, dass der Vater eine Freundin hatte und zu dieser gezogen war. Diese Frau hatte eine Tochter und war von dem Ehemann der Mandantin schwanger. Alle Versuche, den Mann dazu zu bewegen, regelmäßig Umgang mit seinen ehelichen Kindern zu pflegen schlugen fehl. Dabei war er vor der Trennung derjenige gewesen, der sich vorrangig um die Kinder gekümmert und diese versorgt hatte. Die Mandantin war sehr passiv gewesen und hatte eher in ihrer eigenen virtuellen Welt gelebt. Dementsprechend litt auch insbesondere der achtjährige Junge schwer unter der Trennung vom Vater. Da dieser Junge, die Familie lebte in der Nachbarschaft, mir ans Herz gewach- sen war, versuchte ich in Zusammenarbeit mit der zuständigen Sachbearbeiterin vom Jugendamt alles, den Vater umzustimmen und dazu zu motivieren, seine Kinder wieder regelmäßig zu sehen. Auch die Mandantin, die mit der neuen Situation völlig überfordert war, wünschte den Kontakt zwischen dem Vater und den Kindern.

Schließlich wurde im Rahmen eines gerichtlichen Sorgerechtsverfahrens seitens des zuständigen Richters noch einmal nachhaltig an den Kindesvater apelliert, der Verantwortung gegenüber seinen Kindern gerecht zu werden. Daraufhin sicherte der Mann zu, zukünftig wieder Umgang mit seinen Kindern haben zu wollen. Doch -leider-, nach wenigen Wochen ließ er sich bereits aber- mals nicht mehr bei seinen Kindern blicken.

Der ältere Sohn nahm seinem Vater dieses Verhalten sehr übel und litt auch schwer darunter. Es kam so weit, dass er von sich aus dann auch jeglichen Kontakt ablehnte. Tragischerweise wurde der Vater dann auch noch schwer krank. Doch auch diese lebensbedrohliche Erkrankung ließ ihn nicht umdenken. Er hatte für sich beschlossen, ein völlig neues Leben mit einer neuen Familie zu beginnen und seine alte Familie einfach zu vergessen.

So wurde schließlich das alleinige Sorgerecht für die Kinder im Einvernehmen mit dem Vater auf die Kindesmutter übertragen und der Vater verschwand aus dem Leben der Kinder.

Inzwischen ist die Kindesmutter mit Unterstützung des Jugendamtes sehr gut in ihre neuen Aufgaben als alleinerziehende Mutter hineingewachsen. Der ältere Sohn ist jetzt 14 Jahre alt und hat schon sehr konkrete Vorstellungen von seiner Zukunft, die er zielstrebig verfolgt. Auch der jüngere Sohn entwickelt sich gut. Zum Vater besteht seit Jahren kein Kontakt mehr.

Für mich ist bis heute nicht nachvollziehbar, wie ein Vater seine Kinder, um die er sich bis dahin liebevoll und umfassend gekümmert hatte, von einem Tag auf den Anderen komplett aus seinem Leben ausblenden kann.

Da ist man auch als Jurist völlig machtlos.



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