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Wie oft darf ich als Umgangsberechtigter mein Kind sehen und was habe ich für Rechte?

7 April 2015
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Familienstreit

Winne – Fotolia.com

Wenn Eltern sich trennen ist das für die gemeinsamen Kinder auch ein schwerer Einschnitt in ihr Leben.

Sie leben fortan bei einem Elternteil und sehen den anderen Elternteil nicht mehr so regelmäßig und selbstverständlich wie zuvor. Auch für diesen Ehepartner, insbesondere bei kleineren Kindern ist es oftmals der Vater, ist die Umstellung groß. Er nimmt nicht mehr in dem bisherigen Umfang am Leben der Kinder teil.

Kinder brauchen aber in der Regel, ausgenommen sind lediglich die Fälle, in denen der Kontakt zu dem anderen Elternteil aus in der Person desselben liegenden Gründen ( Drogenabhängigkeit, Kindesmißhandlung, schwerer Alkoholiker, etc. ) nicht oder nur eingeschränkt (z.B. betreut) dem Wohle der Kinder dient, den Bezug zu beiden Eltern.

Dem nicht betreuuenden Elternteil steht dementsprechend – und zwar unabhängig davon, ob er mitsorgeberechtigt ist, oder der betreuuende Elternteil die alleinige elterliche Sorge inne hat – ein gesetzlich normiertes Umgangsrecht zu §§ 1626 Abs. 3, 1684 Abs. 1 BGB.

In § 1684 Abs. 1 BGB heißt es:

Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.“

Die Berechtigung und Verpflichtung zur Ausübung des Umgangs ist bereits im Grundgesetz verankert.

Art. 6 Abs. 2, S.1 GG: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“

Leider wird das, wie die Praxis zeigt, oft im Zuge einer streitigen Trennung „vergessen“. Der betreuuende Elternteil, auch heute noch überwiegend die Kindesmutter, ist manchmal aus verletzten Gefühlen und der – meist völlig unbegründeten – Angst davor, die Kinder an den Vater zu verlieren, nicht gewillt und in der Lage einen regelmäßigen Umgang des Kindesvaters mit den Kindern zu gestatten und zu fördern.Umgekehrt zeigen auch einige Väter nach einer Trennung aus den unterschiedlichsten Gründen nur noch ein geringes Interesse an den Kindern. Manchmal scheuen sie auch einfach die Auseinandersetzung mit der Kindesmutter hinsichtlich der Vereinbarung eines angemessenen Umgangs.

Die Trennung von Paar- und Elternebene gelingt vielen Eheleuten, die im Streit auseinander gehen oft – zumindest zunächst – nicht.

Das führt dann zu einer enormen zusätzlichen Belastung für die Kinder. In diesen Fällen sollten die Eltern unbedingt zeitnah professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen, um so schnell eine am Wohle der Kinder orientierte und den Möglichkeiten und Bedürfnissen des Umgangsberechtigten Rechnung tragende Umgangsregelung zu treffen.

Glücklicherweise schaffen es sich trennenden Eltern jedoch häufig auch sich hinsichtlich der Kinder und des Umgangs des nichtbetreuenden Elternteils mit diesen zu einigen. Auch das sogenannte „Wechselmodell“ hält in Deutschland langsam Einzug und wird, wenn auch noch relativ selten, praktiziert. Dabei verbringen die Kinder oder das Kind ihre Zeit hälftig bei beiden Elternteilen. In welchem Rhytmus die Wechsel erfolgen wird individuell vereinbart. Dies geht natürlich nur dann, wenn beide Elternteile die notwendige Betreuung sicher stellen können und auch die räumlichen Voraussetzungen vorliegen. Dann ist das für an beide Elternteile gebundene Kinder sicherlich eine optimale Lösung.

Immer maßgeblich für die Ausgestaltung und zeitliche Ausdehnung des Umgangs ist das Wohl der Kinder. Deren Bedürfnissen ist vorrangig Rechnung zu tragen.

Hierbei ist das Alter des oder der Kinder, die psychische Belastbarkeit , die Stärke der Bindung an die Hauptbezugsperson und die Distanz der Wohnorte der Elternteile zu berücksichtigen.

Eine feste Umgansregelung ist – gerade bei jüngeren Kindern – einer flexibel gestalteten gegenüber der Vorzug zu geben, da Kinder zumeist feste Strukturen benötigen. Zudem verhindert ein regelmäßiger klar geregelter Kontakt die Entfremdung des Kindes vom anderen Elternteil.

Welche Art von Umgang und in welchem Umfang aber entspricht dem Wohl und den Bedürfnissen des Kindes?

Viele Eltern sind hier unsicher und oftmals gehen hier auch die Meinungen der Elternteile auseinander.

Die Frage ist auch nicht pauschal zu beantworten, da die Bedürfnisse jedes Kindes anders sind und ebenso die Intensität der Bindungen.

Es gibt jedoch Tendenzen, die der Orientierung dienen können.

Je jünger das Kind, desto häufiger, aber auch kürzer sollten die Umgangskontakte stattfinden.

Im ersten Lebensjahr eines Kindes sollten die Besuche mindesens einmal wöchentlich, aber nur für ein paar Stunden erfolgen. Bei zwei bis dreijährigen Kindern, kann je nach Bindung zu dem umgangsberechtigten Elternteil der Umgang zeitlich auf einen Tag oder sogar unter Einbeziehung einer Übernachtung ausgedehnt werden. Die Kontakte sollten aber möglichst noch wöchentlich erfolgen. In der Regel können dann ab dem vierten Lebensjahr die Umgangskontakte mindestens vierzehntägig über ein volles Wochenende ausgedehnt und auch eine Ferienbetreuung mit einbezogen werden. Ca. ab dem zehnten Lebensjahr sollten die Kinder aktiv an der Umgangsplanung beteiligt werden, da sie hier zumeist schon neben der Schule bestimmte Freizeitaktivitäten ausüben und auch der Besuch von Freunden eine immer größere Rolle spielt.

Neben dem persönlichen Umgang gehört zur Umgangsausübung auch, gerade bei größeren Kindern, der Kontakt per Telefon, Brief und E-Mail.

Auch die Frage, wo die Umgangskontakte stattfinden und welche Rechte der Umgangsberechtigte während der Umgangszeiten hat, ist oft unklar.

Grundsätzlich findet der Umgang beim umgangsberechtigten Elternteil oder an einem von ihm ausgewählten Ort statt. Lediglich bei Säuglingen und Kleinkindern sollte der Umgang möglichst in deren gewohntem Umfeld stattfinden. Auch die Bestimmung des Urlaubs- oder Ferienortes obliegt dem Umgangsberechtigten.

Die Kosten des Umgangs trägt grundsätzlich der Umgangsberechtigte. Hierzu zählen auch die Kosten für die Abholung und das Zurückbringen des Kindes. Der Umgangsberechtigte ist grds. verpflichtet, dass Kind beim betreuuenden Elternteil abzuholen und wieder zu diesem zurückzubringen. Selbstverständlich kann dies einvernehmlich anders geregelt werden.

Nur im Falle einer konkreten Kindeswohlgefährdung kann das Umgangsrecht eingeschränkt oder gar ausgeschlossen werden.

Wenn irgend möglich und vertretbar ist in diesen Fällen ( z. B. drohende Kindesentführung oder Gewalt gegen das Kind ) der betreuute Umgang als geringerer Eingriff anzuordnen.

Was ist, wenn der betreuuende Elternteil dem Umgang boykottiert?          

Der betreuuende Elternteil ist verpflichtet, dem anderern Elternteil den Umgang zu ermöglichen und ihn auch zu fördern. Doch die Realität sieht manchmal anders aus. Da verweigern Kindesmütter mit fadenscheinigen Argumenten – oder auch ohne solche überhaupt zu suchen – wiederholt und dauerhaft die Herausgabe des Kindes.

Entweder muß der Umgangsberechtigte dann zunächst einen Umgangstitel bei Gericht erwirken oder, falls er einen solchen schon hat, bspw. die Verhängung eines Ordnungsgeldes gegen den Umgangsverweigerer erwirken. Leider ist dies oft ein langer und nicht immer von Erfolg gekrönter Weg. Doch daran wird sich – hoffentlich – in näherer Zukunft etwas ändern. Die Rechte des Umgangsberechtigten sollen gestärkt werden.

http://www.familienrechts-blog.de/umgangswillige-vaeter-koennen-aufatmen-sie-bekommen-rueckendeckung-vom-europaeischen-gerichtshof-fuer-menschenrechte/

Grundsätzlich macht sich der betreuuende Elternteil, der den Umgang grundlos verweigert, auch schadensersatzpflichtig. Er riskiert auch, was leider noch zu selten durchgesetzt wird und zwar auch aufgrund mangelnder Kapazitäten bei den Jugendämtern, die Anordnung einer Umgangspflegschaft nach § 1684 Abs. 3, S..3 BGB.

Der betreuuende Elternteil kann hierdurch auch seinen nachehelichen Unterhaltsanspruch gem. § 1579 Nr. 7 BGB verwirken. Das setzt jedoch ein schwerwiegendes Fehlverhalten voraus. Dieses kann bspw. darin liegen, dass er mit dem Kind, nur um den Umgang zu vereiteln, weit weg zieht. Sobald jedoch nachvollziehbare Gründe, wie z. B. eine Arbeitsstelle, vorliegen, scheidet eine Verwirkung aus.

Das Familiengericht hat auch die Möglichkeit dem betreuuenden Elternteil in diesen Fällen wegen fehlender Bindungstolleranz das Sorgerecht zu entziehen. Dann muß jedoch aufgrund des Fehlverhaltens dieses Elternteils eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegen.

Fazit: Wer sein Kind oder seine Kinder liebt, sollte das auch bei einer noch so unschönen Trennung nicht vergessen und den Bedürfnissen des Kindes oder der Kinder nach Kontakt zum anderern Elternteil Rechnung tragen.



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