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Gelbe Ampel – Gas geben oder bremsen?

20 Mai 2016
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Sue Smith - Fotolia.com

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Die Situation kennt jeder Autofahrer. Man fährt auf eine Ampel zu und die springt von Grün auf Gelb.

Was tun?

Das entscheidet man dann meist spontan aus dem Bauch heraus.

Na ja, manchmal wird die Entscheidung auch von der aktuellen Situation beeinflußt. Wenn man es eilig hat, neigt man eher dazu auch bei größerer Entfernung zur Ampel noch auf’s Gas zu treten und zu sehen, dass man die Ampel noch bei Gelb passiert.

Leider gehen diese Manöver häufig schief, wenn nämlich der Vordermann sich entschieden hat, vor der Ampel zu bremsen. Dann knallt es und man hat den Schaden und Ärger dazu.

Doch es gibt auch noch ein ganz anderes, weitgehend unbekanntes, Risiko:

Man kann tatsächlich auch wegen eines Gelblichtverstoßes ein Bußgeld bekommen.

In § 37 Abs. 2 StVO heißt es:

Gelb ordnet an: “ Vor der Kreuzung auf das nächste Zeichen warten.“

Wer hiergegen verstößt handelt nach § 49 Abs. 3, Nr. 2 StVO ordnungswidrig und es kann gegen ihn ein Bußgeld in Höhe von 15,- € verhängt werden.

Muß ich also, wenn die Ampel vor mir auf Gelb umspringt eine Vollbremsung hinlegen und hoffen, dass ich noch vor der Haltelinie zum Stehen komme?

Ganz so ist es glücklicherweise nicht. Da hätte ich als Hundebesitzerin auch so meine Skrupel, meiner „Sissi“ zuzumuten, im Kofferaum durch so eine Vollbremsung von den Füßen gerissen und gegen die Wand geschleudert zu werden.

Anhalten muß man bei Gelb nur dann, wenn dies (gefahrlos) möglich ist, andernfalls darf und soll man beschleunigt weiterfahren.

Doch wann ist es möglich, vor der Kreuzung anzuhalten?

Da ich nicht über sonderliche mathematische Fähigkeiten verfüge und auch Entfernungen nicht präzise einschätzen kann, ist es mir unmöglich, jeweils klar erkennen zu können, ob ich es noch ohne Vollbremsung schaffe, vor der auf Gelb umspringenden Ampel zu halten. Ich gehe mal zuversichtlich davon aus, dass viele andere Autofahrer auch in diesem Dilemma stecken.

Hilfreich ist, wenn man weiß, wie lang die Gelbphase ist.

Bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h beträgt sie nach einer Verwaltungsvorschrift zu § 37 StVO  3 Sekunden, bei zulässigen 60 km/h  4 Sekunden und bei zulässigen 70 km/h  5 Sekunden.

Das bedeutet, die Mathematiker können dies errechnen (ich nicht), dass bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h jedes Fahrzeug, das mindestens 40 Meter von der Haltelinie entfernt ist, wenn die Ampel auf Gelb umspringt, anhalten muß, andernfalls begeht der Fahrer eine Ordnungswidrigkeit. Jeder, der dichter an der Ampel ist, darf die Kreuzung noch zügig passieren.(Bei 60 km/h sind es 54 Meter und bei 70 km/h 70 Meter).

Glücklicherweise können auch Polizeibeamte die Entfernungen und insbesondere die Zeiten bis zum Umspringen auf Rot meist nicht richtig einschätzen. Deshalb kommt es auch kaum zur Verhängung von Bußgeldern wegen eines Gelblichtverstoßes.

Das mußte auch da AG Köln unlängst feststellen. Eine Frau hatte einen Bußgeldbescheid erhalten, in welchem ihr wegen eines Rotlichtverstoßes ein Bußgeld und ein einmonatiges Fahrverbot auferlegt wurde. Sie sollte die Haltelinie vor einer Ampel überfahren haben, nachdem diese schon für mehr als eine Sekunde auf Rot umgeschaltet hatte.

Sie wehrte sich hiergegen und legte Einspruch ein.

Im Verfahren vor dem AG Köln stellte sich heraus, dass zwei Polizisten den Rotlichtverstoß gesehen haben wollten. Sie gaben an, dass das Fahrzeug der Beschuldigten sich zu dem Zeitpunkt, als die Ampel auf Rot umschaltete, noch zwei Fahrzeuglängen vor der Haltelinie befunden habe. Das Tempolimit lag bei 70 km/h.

Wie oben gesehen, beträgt der Anhalteweg bei normalstarkem Bremsen bei 70 km/h 70 Meter und keine zwei Fahrzeuglängen.

Es wurde dann seitens eines Sachverständigen ermittelt, dass die Ampel maximal 30 Sekunden vor dem Überfahren der Haltelinie auf Rot umgeschaltet hatte. Die Frau kam mit einem Bußgeld, einem Punkt in Flensburg und ohne Fahrverbot davon ( AG Köln Az: 815 OWi-982 Js 5076/15 ).

Fazit: Wenn die Ampel auf Gelb umschaltet, sollte man möglichst vor der Haltelinie halten. Dem Augenmaß von Polizisten muß man nicht blind vertrauen.

Droht ein Fahrverbot ist es in jedem Fall sinnvoll, den Bußgeldbescheid von einem Anwalt überprüfen zu lassen. Sehr viele Bußgeldbescheide sind fehlerhaft und angreifbar.

Lesen Sie zu diesem Thema auch meine folgenden Aritkel:

Sind Bußgeldverfahren aktuell unzulässig?

Fahrverbote – Aus 2 mach 1

Geblitzt – Wann verjährt die Ordnungswidrigkeit?

 



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